Auf den Tag genau vor fünf Jahren landete YB in der UEFA Champions League einen Coup: Der 2:1-Sieg gegen Manchester United ging in die Geschichte ein. Der damalige Trainer David Wagner erinnert sich.
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Nur ein paar Sekunden noch, dann ist an diesem 14. September 2021 Schluss. Im ausverkauften Wankdorf läuft bereits die 95. Minute. 1:1 steht es zwischen YB und dem grossen Manchester United. Über dieses Resultat würde sich am Ende niemand beschweren. Aber eben – es kommt noch besser. Jesse Lingard spielt den Ball zurück in den Sechzehner der Engländer. Jordy Siebatcheu erfasst die Situation und bewahrt die Nerven: Er überwindet Goalie David De Gea.
Dann gibt es kein Halten mehr. Gefühlsexplosionen hier, ungläubiges Staunen da. «Das ist ein fantastischer Abend», sagt der damalige YB-Trainer David Wagner zu später Stunde. «Viel Intensität, Energie, Aggressivität, Zusammenhalt – das sind die Eigenschaften, die uns ausgezeichnet haben.»
Anruf bei David Wagner, fünf Jahre danach. Irgendwie fühlt es sich an, als habe diese Partie gestern stattgefunden. «Das waren Emotionen pur!», schwärmt der 54-Jährige und erinnert sich an Spekulationen im Vorfeld: «Spielt Cristiano Ronaldo gegen uns auf dem Kunstrasen? Verzichtet er? Dann spielt er und schenkt uns gleich einen ein.»
In der 13. Minute erzielt er das 1:0 für die Engländer, aber die Schweizer halten dagegen. Ab der 35. Minute stehen sie mit einem Mann mehr auf dem Platz: Der französische Schiedsrichter François Letexier zeigt Aaron Wan-Bissaka nach grobem Einsteigen gegen Christopher Martins die Rote Karte.
David Wagner hatte gegen Manchester United bereits einmal mit einer Mannschaft einen Sieg gefeiert: Am 21. Oktober 2017 gelang ihm das Kunststück mit Huddersfield in der Premier League (2:1). Nun erlebt er nach der erfolgreichen Qualifikation für die Champions League (nach Slovan Bratislava und Cluj im Playoff gegen Ferencváros Budapest) ein weiteres prägendes Highlight. «Es war ein verdienter Erfolg», sagt er heute im Rückblick auf die Partie gegen Manchester United. «Wir machten es in Überzahl einfach richtig gut.»
Nach etwas mehr als acht Monaten endet David Wagners Zeit in Bern vorzeitig. Die Trennung löst bei ihm keine schlechten Gefühle aus. «Ich kann mich nur positiv über YB äussern. Das ist ein toll geführter Verein von Menschen, mit denen ich immer noch Kontakt habe», betont er und erwähnt gelegentliche Austausche mit Christoph Spycher.
Von YB kehrt Wagner nach einer Pause zurück auf die Insel, wurde im Januar 2023 Trainer bei Norwich City und macht sich ein paar Monate später für die Verpflichtung von Christian Fassnacht stark. Im Mai 2024 muss er sich aus Norwich verabschieden. Ein Jahr später übernimmt er bei RB Leipzig die Leitung der Nachwuchsabteilung. Er arbeitet nun nicht mehr auf dem Platz, sondern kümmert sich um langfristige strategische Planungen. «Total spannend» sei seine Aufgabe, sagt David Wagner: «Ich kann viele Projekte anschieben.»
Gibt es etwas, das er aus Bern vermisst? «Die Lebensqualität in der Stadt, das war oberstes Regal», erklärt er. «Ich habe in Wabern gewohnt, war schnell an der Aare oder im Zentrum von Bern. Und die Bernerinnen und Berner waren sehr gemütlich. Das gefiel mir.»
[pb][sst]