YB-Trainer Gerry Seoane blickt auf das 3:5 gegen den FCZ zurück, spricht über Samuel Essende und sagt, was er am Samstag auswärts gegen den FC Luzern erwartet.
*** Gerry, Du hast mit Deinem Trainerteam das 3:5 gegen den FC Zürich detailliert aufgearbeitet. Was hat die Analyse ergeben? Wir waren in der ersten Halbzeit nicht so gut und klar wie in den vorangegangenen Spielen. Wir fanden defensiv keinen Zugriff und bekundeten Mühe mit den Bällen hinter unsere Abwehrkette. Ein ganz wichtiger Punkt in der Analyse ist die Phase nach der Pause. In diesen 15 bis 20 Minuten verfielen wir plötzlich in eine passive Rolle.
Wie machte sich das aus Deiner Sicht bemerkbar? Die Aktivität war nicht wie gewohnt vorhanden, und uns fehlte auch die gewohnte Reaktionsfähigkeit. Das 3:3 nach einer Stunde war so etwas wie die logische Konsequenz. Trotz der drei Wechsel gelang es uns auch danach nicht, die Spielkontrolle wieder vollständig an uns zu reissen.
Sind solche Ausrutscher Teil der Entwicklung? Natürlich hätten wir es lieber gehabt, wenn der Sonntag anders verlaufen wäre. Vor allem unser Spiel nach der Pause beschäftigt uns sehr, weil es ein Kontrast zu den bisherigen Partien war. Aber ja, Rückschläge gehören zur Entwicklung. Dann stellen sich immer Fragen: Wie gehen wir mit einer solchen Situation um? Nehmen wir die Kritikpunkte an, und sind wir alle selbstkritisch? Und: Welche Schlüsse ziehen wir daraus, um es das nächste Mal besser zu machen?
Die Spieler werden jeweils sehr aktiv in die Aufarbeitung eines Spiels miteinbezogen. Natürlich. Es ist eine gemeinsame Aufgabe von Staff und Spielern, Antworten zu finden. Wir wollen von ihnen wissen, wie sie das Spiel auf dem Platz wahrgenommen haben, aber auch, was wir das nächste Mal besser machen müssen. Wir führen immer viele Einzelgespräche.
Nach dem unberechtigten Platzverweis für Edimilson Fernandes gegen St. Gallen blieb gegen den FCZ eine Tätlichkeit von Umeh Emmanuel an Armin Gigovic ungeahndet – so hat es das Ressort Spitzenschiedsrichter des SFV kommuniziert. Lässt das Deinen Puls in die Höhe schnellen? Wir müssen die Entscheide zur Kenntnis nehmen und wollen eigentlich gar keine Diskussion entfachen. Der Schiedsrichter sollte idealerweise nach einem Match nie das Hauptthema sein. Am Sonntag fehlte mir zwar eine klare Linie, aber der Schiedsrichter war nicht spielentscheidend. Der Handspenalty zum Beispiel war berechtigt.
Reden wir noch über den Stürmer, der Tor an Tor reiht und schon 14-mal getroffen hat, davon neunmal in den letzten sechs Partien: Samuel Essende. Kann er noch besser werden? Seine Qualitäten im Sechzehner sind überragend. Wir richten unser Offensivspiel auf ihn aus und versuchen, ihn möglichst oft zu lancieren, weil er eben diese Wucht, Dominanz und Verdrängung vor dem gegnerischen Tor hat. Seine Stärken sind für uns Gold wert. Wenn man mich fragt, ob er noch besser werden kann, sage ich: Ja, weil er ein Spieler ist, der sehr viel an sich arbeitet und selten mit sich zufrieden ist. Er sieht selbst Steigerungsmöglichkeiten.
Nun geht es am Samstag nach Luzern. Worauf stellst Du Deine Mannschaft ein? Auf eine schwierige Aufgabe in einer erfahrungsgemäss emotionsgeladenen Atmosphäre. Der FC Luzern zeigte beim 1:1 gegen Sion phasenweise schnörkellosen Fussball nach vorne. Ich sah eine Mannschaft, in der Leben steckt und die ich sehr kampfbetont erwarte. Wir müssen dagegenhalten – und es gilt, eine Reaktion auf das 3:5 gegen den FCZ zu zeigen.
[pb][sst]