YB lag in Stuttgart nach nur sieben Minuten 0:2 zurück – und kämpfte sich eindrücklich zurück. Armin Gigovic und Sandro Lauper sorgten mit Traumtoren für den Ausgleich. Doch in der 90. Minute kassierten die Berner das 2:3. Damit ist die Europa-League-Saison zu Ende.
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Der VfB Stuttgart ist der achte und letzte Gegner in der Ligaphase der UEFA Europa League – ein weiterer Hochkaräter und eine Mannschaft in bemerkenswerter Form: In der Bundesliga hat sie keine ihrer letzten sechs Partien verloren. «Ich erwarte einen Gegner, der versucht, sofort die Kontrolle zu übernehmen», sagte YB-Trainer Gerry Seoane am Vortag. «Es braucht von uns eine Topleistung. Aber wir starten mit dem Gedanken ins Spiel, dass es möglich ist, die europäische Reise fortzusetzen.»
Im Vergleich zum Kantonsderby am Sonntag in Thun nimmt er zwei Änderungen vor. Saidy Janko ersetzt den verletzten Ryan Andrews auf der rechten Abwehrseite, im Mittelfeld spielt Armin Gigovic anstelle des gesperrten Rayan Raveloson. Zum 300. Mal steht Christian Fassnacht für YB auf dem Platz und knackt damit eine historische Marke. Erst elf Spieler in der Klubgeschichte haben diese Grenze bislang erreicht. Auf der ewigen Bestenliste fehlen ihm nur noch 15 Spiele, um die Top 10 zu erreichen.
Der VfB tritt so auf, wie es Gerry Seoane erwartet hat. Er drückt auf das Tempo – und agiert im Abschluss mit gnadenloser Effizienz. Deniz Undav auf Vorarbeit von Lorenz Assignon und Ermedin Demirovic nach Vorlage von Undav sorgen in der 6. und 7. Minute für die Tore zur 2:0-Führung. Die Stuttgarter fahren druckvoll fort und erarbeiten sich weitere Chancen durch Chris Führich (25.) und Finn Jeltsch, dessen Distanzschuss Marvin Keller an den Pfosten lenkt (31.).
Allmählich fängt sich YB aber auf und erarbeitet sich eine erste Grosschance. Joël Monteiro bedient Chris Bedia, der das Ziel knapp verfehlt (36.). Sechs Minuten später ist der Anschlusstreffer Tatsache – und er ist der Lohn für hartnäckiges Nachsetzen. Vom starken Alvyn Sanches gelangt der Ball via Gregory Wüthrich zu Armin Gigovic, der Goalie Fabian Bredlow mit einem herrlichen Schuss bezwingt.
Der Gast findet sich immer besser zurecht und krönt die Steigerung mit dem 2:2, das Eingang in manchen Jahresrückblick finden dürfte. Edimilson Fernandes tritt einen Corner, der ein perfektes Zuspiel für Sandro Lauper wird. Dem aufgerückten Innenverteidiger, der vor dem Sechzehner lauert, gelingt mit einer Direktabnahme ein Traumtor.
YB präsentiert sich nun mutig und erarbeitet sich weitere Chancen. Sanches verpasst aus kurzer Distanz das 3:2 zweimal (64. und 69.), Gigovic bietet sich ebenfalls eine günstige Gelegenheit (70.). Gelbschwarz leistet Widerstand, gefällt mit Kampfgeist und Solidarität – und besitzt in der Endphase nochmals zwei ausgezeichnete Möglichkeiten. Sergio Cordova, nach 62 Minuten für Chris Bedia eingewechselt, scheitert in der 84. und 86. Minute jedoch zweimal aus bester Position.
Und dann, ja dann folgt das äusserst bittere Ende nach diesem imposanten Steigerungslauf. Die Stuttgarter lancieren in der 90. Minute einen Konter: Jamie Lewelings Hereingabe verwertet der junge Spanier Chema Andrés zum 3:2, das die Niederlage und das Ende der Europa-League-Saison der Young Boys bedeutet. Ein Unentschieden hätte zur Qualifikation für die Playoffs gereicht.
«Am meisten nervt, dass wir es in den eigenen Füssen hatten. Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, ist frustrierend», so Captain Loris Benito. «Die Enttäuschung ist gross. Wenige Leute glaubten an uns, aber wir zeigten eine gute Leistung. Dass wir das späte 2:3 kassierten, hat vielleicht auch etwas mit Cleverness zu tun», erklärte Sandro Lauper.
«Die Mannschaft hat sich nach dem 0:2 extrem gut zurückgekämpft und eine sehr gute Mentalität gezeigt», sagt Coach Gerry Seoane. «Am Ende mangelte es etwas an Effizient, die man an den Tag legen muss. Vielleicht fehlte auch eine Spur Reife, um das Resultat, das uns in die Playoffs gebracht hätte, über die Runden zu bringen.»
Weiter geht es für YB bereits am Sonntag (1. Februar 2026, 16:30 Uhr) mit dem Heimspiel gegen den FC Zürich.
[pb][dg][sst]
Spielort: Arena
Zuschauende: 57'000
Spielleitung: Javier Alberola Rojas (Spanien)
Tore:
6. Undav 1:0. 7. Demirovic 2:0. 42. Gigovic (Wüthrich) 2:1. 57. Lauper (Fernandes) 2:2. 90. Chema Andrés 3:2.
Auswechslungen:
63. Cordova für Bedia. 68. Leweling für Führich. 68. Karazor für Stiller. 68. Henricks für Chabot. 68. El Khannouss für Undav. 78. Virginius für Monteiro. 78. Males für Fassnacht. 78. Pech für Gigovic. 88. Vagnoman für Assignon.
Ersatz:
YB: Lindner, Marzino, Zoukrou, Dalipi, Mambwa, Smith. Stuttgart: Nübel, Hellstern, Jaquez, Catovic, Penna, Spalt.
Bemerkungen:
YB ohne Raveloson (gesperrt), Andrews, Hadjam, Colley, Conte und Seiler (alle verletzt). Stuttgart ohne Zagadou und Tomas (beide verletzt). 300. YB-Pflichtspiel von Christian Fassnacht. 31. Pfostenschuss Jeltsch.
Verwarnungen:
41. Monteiro (Foul). 95. Karazor (Unsportlichkeit).