Kids Club Interview

„Im Fussball weisst du heute nie, wo du morgen bist“

Interview mit Frederik Sörensen

Der BSC YB ist im Hebrts 2019 vom Verletzungspech verfolgt. Als Glücksfall hat sich jedoch der dänische Innenverteidiger Frederik Sörensen erwiesen, der zumindest bis Ende Saison hinten die Lücken füllt.

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Frederik, eigentlich stehst du beim FC Köln unter Vertrag. Doch YB hat dich im Sommer 2019 „notfallmässig“ für den verletzten Mohamed Ali Camara verpflichtet. Wie fühlst du dich in Bern?
Ich habe mich sehr gut eingelebt, wir haben eine gute Truppe, wir wollen uns als Mannschaft jeden Tag verbessern. Was etwas neu ist für mich: Ich gehöre nicht mehr zu den jüngeren, sondern bei YB mit meinen 27 Jahren schon zu den älteren. Daran muss ich mich wohl langsam gewöhnen (lacht).

Du spielst in der Innenverteidigung – als Kind war das wohl nicht deine Traum-Position…
… nein, Kinder wollen doch immer viele Tore schiessen. Vor allem wollen sie natürlich Spass haben, und das ist auch richtig so. Im 7er Fussball spielt es ja auch noch nicht eine grosse Rolle, wo man spielt. Das wird erst wichtiger, wenn es ernst wird im Fussball.  

Hast du heute keinen Spass mehr?
Oh doch! Die Stimmung in der Kabine und im Training, die lockeren Sprüche und das „Gequatsche“ sind mir sehr wichtig. Gleichzeitig muss man aber mit der Zeit auch lernen, sehr konzentriert zu sein und im entscheidenden Moment – sei dies im Training oder noch mehr im Match – alles zu geben. Diese Balance zwischen Spass und Ernsthaftigkeit stimmt bei YB sehr gut.

Die Innenverteidiger stehen immer unter hohem Druck. Welche Qualitäten müssen sie  haben?
Sie müssen clever sein. Beim Aufbau des Spiels Fehler vermeiden, sonst wird es tatsächlich sofort gefährlich. Sie müssen eine gute Übersicht haben und sichere Pässe spielen. Ebenso wichtig ist es, das Spiel gut zu lesen und rechtzeitig zu erkennen, wenn es gefährlich wird. Und dann heisst es, sofort und entschlossen zu intervenieren.

Du bist 1.94 Meter gross. Das ist wohl im Strafraum recht hilfreich…
… vor allem um die hohen Bälle weg zu köpfeln, ja. Ich habe als Junior lange im Mittelfeld gespielt. Als ich aber immer grösser wurde, bin ich immer weiter nach hinten gerückt.  Es ist wohl kein Zufall, sind viele Innenverteidiger ziemlich gross.

War bereits in deiner Juniorenzeit klar, dass aus dir einmal ein Profi wird?
Keineswegs. Ich habe als Kind verschiedene Sportarten betrieben: Handball, Golf, Schwimmen und Fussball. Dort blieb ich am Schluss „hängen“. Doch ich war als Kind nie das grosse Talent, wo die Leute gesagt haben, aus diesem Frederik werde später etwas ganz Besonderes! Aber ich habe immer hart gekämpft und nie aufgegeben. Ich kann bis heute ein Spiel rasch verarbeiten, meine Folgerungen ziehen und das nächste Spiel mit voller Kraft und Konzentration angehen.

Bist du auf dem Platz bei YB ein „Aggressiv-Leader“?
Ich bin ein ruhiger Mensch. Aber auf dem Platz versuche ich, zu dirigieren und positiv anzutreiben. Als Innenverteidiger hast du die beste Sicht nach vorne auf das Spiel. Deine Leute vor dir müssen dich hören, du musst sie zum Beispiel vor Gegnern im Rücken warnen und Anweisungen geben.

Wie geht es weiter mit dir? Am Ende der Saison? Was machst du in 10 Jahren?
Phuu, in 10 Jahren – keine Ahnung, das ist so weit weg. Vielleicht noch Fussball spielen, wenn der Körper hält? Auch Ende Saison ist noch weit weg, alles ist offen. Im Fussball weisst du heute nie, wo du morgen bist.

Und damit kannst du locker umgehen?
Im Prinzip schon, das gehört dazu. Doch jetzt, wo ich zwei kleine Mädchen und eine Familie habe, wird eine gewisse Planbarkeit wohl schon etwas wichtiger. Wir werden sehen, wie es weiter geht.

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