Kids Club Interview

«Immer hellwach zu sein – das ist die grösste Herausforderung»


Interview mit David von Ballmoos, Torhüter von YB
David von Ballmoos ist der Stammtorhüter und Vizecaptain von YB. Im Moment erholt er sich von einer Operation an der Schulter. Er kann es kaum erwarten, wieder zwischen den Pfosten zu stehen…

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Zwei Tage nach deiner Operation an der Schulter hat YB gegen Villarreal gespielt. Warst du vor dem Fernseher, ganz zappelig, oder hältst du das gar nicht aus?
Doch, ich habe das Spiel am Fernsehen geschaut. Ich wäre lieber auf dem Feld gestanden, das ist ja klar. Und ich war vor dem Fernseher ehrlich gesagt auch angespannter, als wenn ich selbst hätte spielen können. Da kannst du nicht eingreifen, du fühlst dich hilf- und machtlos. Aber natürlich willst du trotzdem mit dem Team sein – wenigstens vor dem TV. Das Resultat hat aber schon weh getan.

Wo liegen für einen Torhüter die grössten Herausforderungen, im Vergleich zu einem Feldspieler?
Die Position des Torhüters hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Im Vergleich zu den Feldspielern sind wir körperlich weniger belastet, wir rennen nicht 10 oder 12 Kilometer. Doch wir müssen während 90 Minuten auf maximaler Konzentration sein – wenn ein Ball kommt, müssen wir in Sekunden-Bruchteilen bereit sein. Wir müssen also im Kopf immer bereit sein, das ist die grösste Herausforderung.

Hast du da eine spezielle Methode, dass dir das gelingt?
Heute bin ich vom Typ her relativ ruhig, das war früher nicht so. Ich habe das gelernt, ich arbeite seit fünf Jahren auch mit einem Mentalcoach zusammen. Oft ist YB ja im Spiel überlegen. Das heisst auch, dass ich meistens nicht unter Dauerbeschuss bin. Umso wichtiger ist es, immer hellwach zu sein. Nach dem Spiel bin auch ich müde – aber mehr im Kopf als in den Beinen.

Wenn du im Match nach fünf Minuten mal ein blödes Tor oder ein «Ei» kassierst, wie gehst du damit um? Verunsichert dich das?
Mittlerweile kann ich mir sagen: «Im Spiel mache ich nie einen Fehler». Damit meine ich: Wenn mal ein Ball blöd reingeht, kann ich das sofort auf die Seite schieben, es geht bei Null weiter. Natürlich analysiere ich die Sache dann nach dem Spiel – vorher darf mich das aber nicht beschäftigen.

Heute sagt man, der Torhüter sei der 11. Feldspieler, also ein Top-Fussballer. Bist du das auch?
Was ich fussballerisch brauche, das kann ich auf gutem Niveau bieten, denke ich. Doch ich muss nicht der beste Spieler mit den Beinen oder dem Kopf sein, ich muss fussballerisch auch kein Manuel Neuer sein. Meine Spieler müssen Vertrauen in mich haben, dass ich das Spiel aufbauen, die Bälle sicher stoppen und rasch weiterleiten kann. Ich denke, das funktioniert recht gut.

Du bist Vize-Captain, wegen der Verletzung von Fabian Lustenberger warst du sogar Captain. Was gefällt dir an dieser Rolle?
Ich übernehme gerne Verantwortung. Es geht vor allem darum, dem Team Sicherheit zu geben; alle müssen spüren, dass Dävu ein sicherer Wert ist, dass sie von ihm etwas erwarten können.

Blicken wir zurück. Warst du auch als Junior schon immer Torhüter?
Fast immer. Ich habe nur sehr kurz als Feldspieler gespielt und war sehr früh fest im Tor. Das würde man heute nicht mehr so machen, doch mir hat das so sehr gut gefallen.

Weshalb?
Ich musste weniger «umesekkle» als die anderen! Nein, im Ernst: mir hat es gefallen, nach Bällen zu springen, sie aus den Ecken zu fischen und Flanken runterzuholen. Das gefällt mir heute noch sehr gut.  

Würdest du heute einem Mädchen oder Jungen empfehlen, als Torhüter/in zu spielen?
Am wichtigsten ist, dass Kinder am Fussball Freude haben. Es sollte jedes Kind selbst herausspüren, ob es ein Flair für das Tor oder eher für das Spiel im Feld hat. Ich würde aber jedem empfehlen, beides auszuprobieren und auch mal im Goal zu spielen. Auch wenn es dann nicht dabeibleibt, du verstehst die Spielweise eines Torhüters besser, und vielleicht gelingt es dir sogar besser, ihm die Bälle zu versenken.

Aber für Kinder ist es doch manchmal sehr hart, wenn sie als Goalie ein Tor kassieren? Das vielleicht sogar das Spiel zugunsten der Gegner entscheidet?
Ja, das kenne ich aus meiner Kindheit. Ich war damals sehr emotional, habe ein Tor fast persönlich genommen und konnte es kaum verkraften. Doch ich habe gelernt, damit umzugehen. Das Spiel geht weiter, Kopf hoch, beim nächsten Ball klappt es!

Interview: Jens Lundsgaard-Hansen (Januar 2022)


David von Ballmoos als Captain am 23.10.2021 beim Heimspiel gegen den FC Lausanne-Sport (3:2).

[dg]