Kids Club Interview

„Das Wichtigste ist, im richtigen Moment den guten Pass zu spielen“

Interview mit Jean-Pierre Nsame

Er spielt seit 2017 im Sturm für YB und nimmt oft die Rolle des „Jokers“ wahr. Letztes Jahr hat er so das „Golden-Goal“ geschossen. Jean-Pierre Nsame sagt uns, wie seine (Fussball-) Welt aussieht.

Du hast das Meister-Tor für YB geschossen: das 2:1 gegen Luzern, in der 89. Minute, am 28. April 2018. Machst du das in einigen Wochen wieder so?
Gerne, das wäre sehr schön! Es war ein grosser Moment für den Club, die Fans und das Team! Mir selbst ging im Moment des Tors so viel durch den Kopf! Ich wusste nicht, wohin ich rennen sollte. Ich wollte instinktiv zu den Fans, doch dann kamen alle Teamkollegen und der ganze Staff angerannt. Man hat gespürt: dieses Tor war für alle wie eine Erlösung.

Du wirst oft während des Spiels als „Joker“ eingewechselt. Bist du vorher auf der Bank nicht ganz kribbelig?
Ich möchte natürlich, wie alle anderen auch, am liebsten immer spielen. Zu Beginn war diese Situation sehr schwierig für mich. Aber es ist ja auch im Fussball nicht immer so, dass alles genau so läuft, wie man gerne hätte. Man muss lernen, damit umzugehen. Und körperlich, aber auch im Kopf immer stark bleiben, um genau dann bereit zu sein, wenn das Team einem braucht.

Deine Kindheit war nicht ganz einfach. Du bist in Kamerun geboren, mit 6 Jahren hat deine Mutter dich zu deinem Vater nach Paris geschickt. Deine Erinnerungen?
Unsere Situation in Kamerun war tatsächlich nicht leicht. Meine Mutter hat stets alles gegeben, damit meine kleine Schwester und ich etwas zu essen und das Allernötigste hatten. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Sie sah für uns in Frankreich aber bessere Chancen als in Kamerun. Ich dachte zuerst, ich ginge nach Paris in die Ferien, doch das war ja nicht so. Ich habe mich an die neue Situation gewöhnt, ich war ja bei meinem Vater, ging zur Schule und hatte Freunde.

Und welche Rolle hat der Fussball gespielt?
Der Fussball war für mich sehr, sehr wichtig. Ich bin mit dem Fussball aufgewachsen und habe mich mit ihm entwickelt. Das ist bis heute so. Ich bin nicht ein Mensch, der sich in den Vordergrund rückt und sehr viel redet. Aber über den Fussball konnte ich mich ausdrücken, mit anderen kommunizieren und Kontakte herstellen. Fortschritte im Fussball wurden auch zu Fortschritten in meiner Entwicklung, und umgekehrt. Ich und der Fussball sind bis heute sehr eng verbunden.

Heute bist Du Stürmer und Torjäger. Was rätst Du einem Junior-Stürmer, wenn der Ball plötzlich einfach nicht mehr ins Tor will?
Ich bin selbst, mit etwa 15 Jahren, durch eine solche Phase gegangen. Es hat mich wütend gemacht, auf mich selbst. Wenn der Ball wieder 30 Zentimeter neben dem Tor durchging, bin ich ausgeflippt und habe ich mich selbst auf dem Feld angeschrien. Das war natürlich genau die falsche Reaktion. Du darfst nicht in Panik verfallen, du musst ruhig bleiben, alles so tun wie bisher und mit den Kollegen zusammen lachen. Sonst kommst du in einen Negativ-Spirale. Vielleicht gelingen dir einige gute Pässe auf die Kollegen, dann fällt auch ein Tor und du hast Freude. Dann geht es wieder aufwärts.

Wie sieht dein idealer Partner im Sturm aus?
Ich glaube nicht, dass ich einen bestimmten, idealen Partner brauche, damit ich mich selbst entfalten kann. Es ist eher umgekehrt: Ich kann mich wohl leicht an meinen Partner anpassen. Roger Assalé und Guillaume Hoarau sind zum Beispiel nicht die gleichen Spielertypen, aber ich fühle mich mit beiden wohl. Am Schluss zählen die Tore, aber das Wichtigste ist doch, im richtigen Moment den guten Pass zu spielen oder vom Partner zu erhalten. So ist man erfolgreich. Und ich gewinne viel, viel lieber als dass ich verliere…

Was machst du neben dem Fussball am liebsten?
Ich verbringe gerne Zeit mit Gott. Ich bin ein gläubiger Mensch und vertiefe mich oft in die Bibel. Das gibt mir innere Kraft und Ruhe. Ebenso wichtig ist mir natürlich meine Familie. In den Ausgang gehe ich nicht sehr oft. Doch manchmal ins Kino, im Restaurant etwas Gutes essen oder ein Game spielen, das gehört schon dazu.

Interview: Jens Lundsgaard-Hansen (März 2019)