Kids Club Interview

Miralem Sulejmani: „Sie wollten uns zu grossen Fussballern, aber auch zu starken Persönlichkeiten machen“

YB ist Schweizer Meister. Wie ist das nach so vielen Jahren gelungen?
Der „Hunger“ nach 32 Jahren war riesig! Im Club herrscht eine sehr gute Atmosphäre, wir spüren einen grossen Support der Fans, im Team besteht Harmonie und natürlich auch Qualität. Deshalb haben wir es endlich wieder geschafft!

Du erwähnst die Qualität der Spieler am Schluss – ist das nicht das Wichtigste?
Natürlich ist das wichtig. Doch es gibt viele Teams auf der Welt, die auf dem Papier eine Riesen-Qualität haben und doch nicht erfolgreich sind. Wenn die Stimmung im Team oder mit dem Trainer nicht gut ist oder etwas im Umfeld nicht stimmt, geht die Sache am Schluss meistens nicht auf.

Du spielst technisch hervorragend und kannst mit dem linken Fuss zaubern (Miralem Sulejmani lächelt und sagt danke). Wie hast du das hingekriegt?
Vermutlich ist man mit einem gewissen Talent geboren. Aber in Serbien haben wir als Junioren im Club intensiv mit dem Ball trainiert und an der Technik gefeilt. Kraft, Ausdauer oder Koordination haben im Training erst später einen Schwerpunkt gebildet. Davon habe ich profitiert.

Und wann hat jemand das grosse Talent des kleinen Miralem erkannt?
Mein Vater hat schon früh bemerkt, dass ich sehr gerne Fussball spiele – er selbst hat ja auch intensiv Fussball gespielt. Wir haben oft zusammen gespielt und „bällelet“, so lernt man spielerisch ganz viel.

War denn Fussball für Dich schon im Alter von 8 oder 10 Jahren das ganz grosse Ding?
Ja, das war es wohl schon. Wir waren damals mit meinem Team BSK in Serbien ganz vorne dabei. Ich erinnere mich auch noch, dass ich jeweils doppelt und dreifach motiviert war, wenn die Leute von Partizan Belgrad unsere Spiele beobachteten und nach Talenten Ausschau hielten.

Wurde es denn nie zu viel mit dem Fussball, für die Familie oder in der Schule?
Meine Familie hat mich sehr unterstützt. Mein Vater war damals ziemlich strikt mit mir, und dafür bin ich ihm heute dankbar. Er hat mir vermittelt, dass zwei Dinge wirklich wichtig sind: die Schule und der Fussball. Auch die Verantwortlichen von Partizan Belgrad haben nicht nur den Fussball gesehen, sondern standen stets auch in Kontakt mit meiner Schule. Sie wollten uns nicht nur zu grossen Fussballern, sondern auch zu starken Persönlichkeiten machen.

Als Profi-Fussballer verdienst du viel Geld. Was bedeutet dir Geld?
Es ist sicher so: wir haben in gutes Leben. Wobei: Wenn du länger verletzt bist, meistens auf der Ersatzbank sitzen musst oder bei den Fans in Ungnade gefallen bist, dann ist das auch nicht gerade ein „easy life“. Ich habe einen grossen Respekt gegenüber dem Geld; es ist eine Anerkennung für meine Arbeit, für die ich auch grossen Respekt habe. Leider haben nicht alle Fussballer diesen Respekt und gehen sorglos um mit Geld. Für mich gibt es Wichtigeres als Geld – meine Familie und dass ich so arbeiten und Fussball spielen darf, wie es mir Freude macht. Das ist ein wesentlicher Grund, weshalb ich bei YB geblieben bin.

Interview: Jens Lundsgaard-Hansen
Erschienen: Juni 2018