Kids Club Interview

«Zuerst konnte ich etwa acht Mal jonglieren, ein Jahr später über 2000 Mal»


Interview mit Vincent Sierro, Mittelfeldspieler bei YB

Seit Sommer 2019 spielt Vincent Sierro bei YB. Der Romand ist ein starker Techniker und hat eine Vorliebe für Strategie. Ideale Voraussetzungen also für einen Mittelfeldspieler.

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Vincent, die «Verletzungshexe» hat bei dir in den letzten Jahren oft zugeschlagen. Wie bleibst du da positiv?
Ich war tatsächlich oft verletzt, nach Zweikämpfen, wo das halt passieren kann. Verletzungen sind immer schwer zu akzeptieren. Doch genau das musst du, die Situation akzeptieren. Wenn du immer wieder fragst: Warum ist das nur passiert, dann kannst du nicht sofort wieder nach vorne schauen und an dir arbeiten. Jedes harte Training lohnt sich, wenn du später wieder auf den Platz kommst!

Du hast früh in die Bundesliga gewechselt, konntest aber nicht zu 100 Prozent durchstarten. War der Entscheid dennoch richtig?
In meinem ersten Spiel für den SC Freiburg, gegen Dortmund, habe ich mir einen Muskelfaserriss zugezogen, obschon ich vorher noch nie eine Muskelverletzung hatte! Der Start war deshalb schwierig, doch ich hatte danach manch gute Spiele. Letztlich hat der Trainer aber auf ältere Spieler gesetzt, als ich es war. Dennoch habe ich in der Bundesliga viel gelernt und mich entwickelt. Ich kam als anderer Spieler in die Schweiz zurück.

Jetzt bist du bei YB. Das Team hat kaum Konkurrenz in der Schweiz. Wo bleibt da die Herausforderung?
Im Moment haben wir gerade 19 Punkte Vorsprung, das ist wirklich viel. Doch diesen Vorsprung haben wir uns erkämpft. Genau so müssen wir weiterspielen, sicher nicht das Gefühl haben, wir seien sowieso besser und müssten nicht mehr voll gehen. Es gibt viele gute Teams neben uns, wir nehmen jedes Spiel sehr ernst. So haben wir die Chancen, wieder Meister zu werden.

Warum ist YB im Moment derart gut?
Wir haben viel Qualität in der Mannschaft. Wenn du auf dem Feld bist, musst du überzeugen, um später wieder auf dem Feld zu stehen. Trotz dieser grossen Konkurrenz haben wir eine überragende Stimmung im Team. Jeder geht für jeden. Wir haben hinten und in der Mitte Power, und vorne haben wir gleich mehrere Raketen.

Wer ist der grösste Kämpfer, wer der lustigste Kollege im Team?
Der grösste Kämpfer ist wohl Camara. Da gehst du im Training besser nicht in den Zweikampf, er ist eine Maschine, mit enormer Power. Der Lustigste? Wir lachen alle viel, doch eine sehr gute Stimmung verbreitet stets Ngamaleu, er kann sehr lustig sein.

Blenden wir zurück in deine Kindheit. Hast du deine Eltern genervt, weil du immer Fussball spielen wolltest?
Ja, das muss ich zugeben. Zusammen mit meinen zwei etwas älteren Brüdern, die auch beim FC Sion Fussball gespielt haben. Wir haben oft im Garten gespielt und Stühle als Pfosten genutzt. Die haben das leider oft nicht überstanden. Noch schlimmer war es drinnen im Haus, wenn die Tür das Tor war und wir dachten, wir seien im Barnabeu. Doch unsere Eltern haben das ertragen, sie haben uns und unseren Fussball trotz allem sehr unterstützt.

Was waren deine Stärken und Schwächen als Junior bei Sion?
Ich war damals relativ klein und konnte nicht mit dem Körper spielen. Umso mehr habe ich Technik trainiert. Als ich als Kind zum FC Sion kam, konnte ich etwa acht Mal jonglieren. Ein Jahr später über 2000 Mal, mit beiden Füssen, dem Kopf, mit allem, was erlaubt war. Ich bin ziemlich ehrgeizig, ich will immer gewinnen im Spiel. Das war als Kind nicht immer leicht. Weil ich eher klein war, musste ich den nächsten Spielzug stets überlegen, noch bevor ich den Ball hatte. Das hat mir später, als ich dann doch noch stark gewachsen bin, viel geholfen, im Mittelfeld wohl ganz besonders.

Was machst du gerne, wenn du mal nicht Fussball spielst?
Ich bin sehr gerne mit Menschen zusammen, mit meiner Freundin, meiner Familie und meinen Freunden. Jetzt mit Corona ist das schwieriger geworden. Ich habe angefangen, Gitarre zu spielen. Ich spiele ein bis zwei Stunden am Tag. Und mit Schach habe ich auch angefangen. Das wollte ich schon lange; ich liebe alle Spiele, die mit Strategie zu tun haben, zum Beispiel auch Poker. Und wenn ich gewinne, macht es noch mehr Spass!

Interview: Jens Lundsgaard-Hansen