Kids Club Interview

«Immer Vollgas, immer sein Bestes geben»!

Interview mit Julia Schassberger, Innenverteidigerin bei den YB-Frauen
Julia Schassberger ist ein sicherer Wert in der Defensive der YB-Frauen. Das ist ein intensives Leben: vier Mal Training am Abend, Match am Wochenende, 90 Prozent-Pensum in einer Firma.

***

Julia, du spielst als Innenverteidigerin bei den YB-Frauen. Welche besonderen Qualitäten helfen dir dabei?
Mein gesundes Selbstbewusstsein! Als Innenverteidigerin bist du meistens die letzte Spielerin vor der Torhüterin – wenn mir ein Fehler passiert, wird es sehr schnell kritisch. Umso wichtiger ist es, dass ich mich sicher fühle. Was nicht heisst, dass mir nie ein Fehler passiert… Wichtig ist wohl auch ein guter Sinn für das «Timing», zum Beispiel um hohe Bälle per Kopf abzuwehren.

Du hast es gesagt: Als Innenverteidigerin spielst du auf einer «heissen» Position. Wäre es im Sturm oder Mittelfeld nicht etwas angenehmer?
Wenn wir von Fehlern und ihren Folgen sprechen, vielleicht schon. Als ich vor sechs Jahren zu YB gekommen bin, habe ich noch im zentralen Mittelfeld gespielt. Doch mit der Zeit bin ich weiter nach hinten gerückt, bis auf die Position der Innenverteidigerin. Vermutlich haben sich meine Stärken halt in diese Richtung entwickelt.

Musstest du in deiner Karriere auch Rückschläge einstecken?
Ja, das musste ich. Ich habe mir zwei Mal das Kreuzband und den Meniskus gerissen, 2018 und 2021. Das ist so schnell passiert! Ich brauchte beide Male etwa ein Jahr, um wieder voll einsteigen zu können. Nun ist fertig mit Verletzungen!

Warum hast du als kleines Mädchen nicht Tennis oder Volleyball gespielt, warum Fussball?
Es musste Fussball sein, etwas anderes gab es nicht. Ich wollte das tun, was mein älterer Bruder tat, also Fussball spielen. Und so landete ich auch beim FC Aarwangen. Wir haben sehr oft Fussball gespielt, überall, auch im Haus drinnen. Da haben wir schon mal eine Vase oder Lampe heruntergeholt...

Die vielen Mädchen des FC Goldstern möchten sicher auch mal dort sein, wo du jetzt bist: bei den YB-Frauen. Hast du einige Tipps für sie?
Immer Vollgas, immer sein Bestes geben! So werden die richtigen Leute irgendwann auf dich aufmerksam. Ich habe bis 15-jährig mit den Jungs zusammengespielt, dort bin ich wohl als Mädchen aufgefallen, das immer alles gegeben und gekämpft hat. Aber noch viel wichtiger ist es, immer Spass zu haben. Sonst kommt es garantiert nicht gut.

Du bist eine erwachsene Frau – wie sieht dein Alltag aus, auch im Vergleich zu einem Profi bei den YB-Männern?
Mein Alltag sieht schon ziemlich anders aus. Ich arbeite zu 90 Prozent als Sachbearbeiterin in einer Firma; das gibt es bei den YB-Profis nicht. Wir haben bei den Frauen vier Mal am Abend Training mit dem Team, am Wochenende den Match. Am Mittwoch arbeite ich meistens nicht, da mache ich für mich allein am Vormittag ein Krafttraining. Wir verdienen auch ein wenig Geld im Fussball – das kompensiert mir etwa jene 10 Prozent, die ich nicht im Beruf arbeite.

Ärgert es dich nicht etwas, dass die Frauen so viel schlechter gestellt sind als die Männer?
Wir kennen hier in der Schweiz als Frauen im Fussball ja nichts anderes, was soll ich mich ärgern. Doch es wäre schon schön, wenn wir in Zukunft einmal, sagen wir, nur etwa zu 50 Prozent arbeiten müssten und die anderen 50 Prozent des Geldes als Fussballprofis verdienen könnten.

Interview: Jens Lundsgaard-Hansen


Julia Schassberger von den YB-Frauen im Laufduell mit ihrer Gegenspielerin.

[dg]