Kids Club Interview

Marvin Spielmann: «Mit sechs Jahren wollte ich Polizist werden»

Vor der Saison 2019/20 wechselte Marvin Spielmann vom FC Thun zu YB, heute ist er nach einer längeren Verletzung eine wichtige, technisch starke Offensivkraft beim Schweizer Meister.

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YB war zuletzt nicht im gleichen «Flow» wie in der letzten und vorletzten Saison. Woran liegt das?
Das ist schwer zu sagen. Ich war letzte Saison noch nicht bei YB. Nach dem ersten Meistertitel nach 30 Jahren war die Euphorie bei YB riesig, die Mannschaft blieb zum grössten Teil zusammen. Das hat man in der letzten Saison noch deutlich gespürt, YB war fast unbezwingbar. «Wenn es läuft, dann läuft es», das war mein Eindruck von aussen. YB hat dann auch höchst souverän den zweiten Titel geholt. Ich hätte das gerne von innen miterlebt! Und ich tue alles dafür, dass ich Ende Saison mit meinen Teamkollegen den Pokal hochstemmen kann! Aber leider wissen wir noch nicht genau, wann wieder gespielt werden kann.

Wir hoffen alle auf diesen grossen Moment! Aber alle fangen mal klein an. War Marvin Spielmann ein braves Kind?
(Überlegt). Da müsstest du am Besten meine Eltern fragen. Aber ich denke, ich war im Grossen und Ganzen ein braves Kind. Natürlich hatte ich meine Flausen und kam zum Beispiel manchmal zu spät nach Hause, wahrscheinlich wie viele andere Kinder auch. Wenn es in der Schule mal etwas weniger gut lief, dann haben die Eltern schon gesagt: «Vielleicht etwas mehr Schule und etwas weniger Fussball». Doch den Fussball habe ich mir nie nehmen lassen. Und in der Schule habe ich dann wohl rechtzeitig etwas aufgedreht, es ist ja alles gut gegangen. Aber ich bin sehr froh, dass ich die Algebra heute nicht mehr brauche!

Was hast du als Kind am liebsten gemacht – neben dem Fussball spielen?
Fussball spielen! Nein, im Ernst: Ich bin gerne einfach mit meinen Freunden zusammen gewesen, zum Reden und Lachen und «Rumgängstern», so haben wir dem damals gesagt. Doch am liebsten haben wir Fussball gespielt, auf der Wiese in der Mitte unserer Siedlung oder auf dem Sportplatz in der Schule. Fussball war das Grösste für mich.

Dann war für dich schon mit acht oder zehn Jahren klar, dass du Fussball-Profi werden willst?
Nein, das war bei mir gar nicht so. Mit etwa sechs Jahren wollte ich Polizist werden. Danach wollte ich Schauspieler werden, später noch vieles mehr. Etwa ab der U11 ist die Idee des Profi-Fussballers überhaupt aufgetaucht, aber wirklich nur als ferne Idee. Dass das für mich tatsächlich etwas sein könnte, dass ich vielleicht die Fähigkeiten dazu hätte, das kam erst etwa in der U15 oder U16. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich dieses Ziel aber klar vor Augen. Und bin sehr glücklich, dass mir das gelungen ist.

Du bist offensiver Mittelfeldspieler oder Stürmer. Hauptsache offensiv?
Zusammen mit den Teamkollegen ein Tor zu feiern, das ist doch immer noch das Schönste im Fussball. Am liebsten spiele ich aussen im Mittelfeld oder im Sturm. Es ist schon so: Hauptsache offensiv. Aber bei den F-Junioren habe ich übrigens als Torhüter begonnen, als nächster Schritt rutschte ich in die Innenverteidigung, später immer weiter nach vorne.
 
Was machst Du als Stürmer, wenn dir die Tore einfach nicht gelingen wollen?
Das ist tatsächlich eine schwierige Situation. Ich hatte in meiner Laufbahn schon mehrere längere Phasen, in denen der Ball einfach nicht rein wollte. Doch zum Glück gab es auch das Umgekehrte, wo mir fast alles gelungen ist. In jedem Fall, besonders wenn es mal nicht so rund läuft, ist es wichtig, hart zu arbeiten und nie aufzugeben. Und vor dem Tor nicht zu viel zu denken, «eifach mache» – plötzlich geht der Ball rein, und dann löst sich der Knopf.

Wenn Du mit dem Training oder Match fertig bist, was machst Du am liebsten?
Zu Hause sein, mit meiner Freundin und unserem gemeinsamen kleinen Hund. Gut entspannen kann ich mich auch mit der Play Station, mal spiele ich etwas mehr, mal etwas weniger. Und auch die eine oder andere Serie auf Netflix sehe ich mir an.

Und wenn die Karriere mal vorbei ist, was kommt nach dem Fussball?
Keine Ahnung, das ist noch weit weg. Aber es ist nicht so, dass ich mir dazu keine Gedanken mache, im Gegenteil. Ich überlege viel, wie es später weitergehen könnte, denn die Phase als Fussball-Profi ist zeitlich recht begrenzt. Aber bis jetzt bin ich noch zu keinem Ergebnis gekommen. Das Wichtigste ist ja wohl, dass das, was man tut, einem Spass macht.

Interview: Jens Lundsgaard-Hansen